Wer im Bereich Nachhaltigkeit strategische Entscheidungen treffen will, braucht mehr als ein Bauchgefühl. Es braucht Orientierung: Was tun andere? Wo steht man selbst? Und was ist in der eigenen Branche wirklich üblich? Genau diese Fragen standen am Anfang unseres gemeinsamen Projekts mit der Maritim Hotelgesellschaft. Das Ziel war ein systematisches Nachhaltigkeits-Benchmarking, das nicht nur oberflächlich abbildet, was Wettbewerber kommunizieren, sondern die Branche und die eigene Position fundiert einordnet und konkreten Input für die Strategiearbeit liefert.
Der Ausgangspunkt: Benchmarking neu gedacht
Um sich einen Überblick über die Nachhaltigkeitsperformance in der Branche zu verschaffen, hat Maritim bereits in der Vergangenheit Benchmarkinganalysen durchgeführt. Diese waren jedoch beschränkt auf eine überschaubare Anzahl an Wettbewerbern, Themenbereiche und Quellen – eine notwendige Einschränkung, um den manuellen Aufwand im Rahmen zu halten.
Im gemeinsamen Gespräch entstand die Idee, den Prozess KI-gestützt neu aufzusetzen: Mithilfe eines KI-Agenten sollte die Analyse automatisiert werden, sodass nun alle für Maritim relevanten Wettbewerber und Kriterien Teil des Benchmarkings werden – ein Umfang, der bei manueller Arbeit nicht realistisch wäre.
Der Projektstart folgte einem klassischen Benchmarking-Ansatz: Gemeinsam wurde das „relevant set“ von 15 Wettbewerbern festgelegt und die Analysekriterien definiert. Ein sorgfältiger Auswahlprozess war dabei besonders wichtig, da die Struktur der Hotellerie mit unterschiedlichen Marken und Unternehmensdächern belastbare Vergleichbarkeit nicht selbstverständlich macht. Die Kriterien, die im Rahmen des Benchmarkings untersucht werden sollten, wurden genau auf die ESG-Strategie von Maritim gemappt, um einen größtmöglichen Mehrwert sicherzustellen.
Der methodische Kern: Ein KI-Agent
Für die eigentliche Analyse haben wir einen Benchmarking-Agenten auf einer Automationsplattform entwickelt. Der Agent recherchierte zunächst systematisch öffentlich verfügbare Informationen, beispielsweise Unternehmenswebsites, Nachhaltigkeitsberichte, Pressemitteilungen und weitere Quellen. Diese Inhalte wurden in eine Vektordatenbank eingespeist, auf deren Basis der Agent die definierten Kriterien für jedes der 15 Unternehmen durchlief, relevante Informationen extrahierte und die Ergebnisse in strukturierter, tabellarischer Form ausgab. Das Ergebnis war eine konsistente, vergleichbare Datenbasis über alle Wettbewerber hinweg – erheblich schneller erstellt, als es eine rein manuelle Recherche ermöglicht hätte.
Mehr Raum für das, was wirklich zählt
Ein zentraler Mehrwert des Projekts lag in der Zeitersparnis, denn die aufwendige Recherche über zahlreiche Wettbewerber und Quellen hinweg konnte stark beschleunigt werden. Henning Jünke, Direktor Nachhaltigkeit bei der Maritim Hotelgesellschaft mbH, bestätigt: „Sowohl die Breite als auch die Tiefe der Ergebnisse konnten deutlich gesteigert werden. Durch den KI-Einsatz war viel mehr möglich als zuvor.“ Noch relevanter war jedoch das, was durch die Zeitersparnis ermöglicht wurde: mehr Raum für die eigentliche strategische Arbeit. Die neu gewonnenen Kapazitäten konnten für die Einordnung der Ergebnisse, die Ableitung von Best Practices und die Bewertung ihrer Relevanz für Maritim aufgewendet werden. Diese Verschiebung von manueller Datensammlung hin zu fundierter Interpretation war einer der wesentlichen Projekterfolge.
Von Anfang an war dabei klar: KI-gestützte Ergebnisse dürfen nicht unreflektiert übernommen werden. Der Human-in-the-Loop-Ansatz war deshalb ein tragendes Prinzip. Die KI übernahm die strukturierte Analyse großer Informationsmengen, die fachliche Prüfung und Qualitätssicherung lag bei Menschen mit Nachhaltigkeitsexpertise. Das ist die Voraussetzung dafür, dass Ergebnisse nicht nur schnell vorliegen, sondern auch strategisch nutzbar sind.
Konkrete Erkenntnisse für strategische Entscheidungen
Besonders greifbar wurde der Mehrwert an konkreten Fragestellungen. Ein Beispiel: Sollen CO₂-Emissionen von Gästen, die beispielsweise aus Übersee anreisen, Teil des eigenen Corporate Carbon Footprint sein? Die Analyse zeigte, dass dies in der Hotelbranche bislang nicht üblich ist. Diese klare Einordnung schuf zusätzliche strategische Sicherheit in der Entscheidung, die eigene Abgrenzung vergleichbar zu halten.
Daneben machte das Benchmarking sichtbar, welche Nachhaltigkeitsansätze andere Unternehmen bereits verfolgen und wo sich daraus neue Impulse für die eigene Weiterentwicklung ableiten lassen. Für Maritim entstand damit nicht nur eine einmalige Standortbestimmung, sondern auch eine Grundlage, auf der Fortschritte künftig messbar gemacht werden können, etwa durch eine jährliche Aktualisierung. Dank des genutzten KI-Agenten ist solch eine regelmäßige Analyse aufwandsarm möglich. Henning Jünke unterstreicht: „Durch das KI-Benchmarking, das wir künftig regelmäßig wiederholen wollen, haben wir nun eine fundierte Grundlage, um unseren Fortschritt messen zu können. Damit kann ich beispielsweise intern aufzeigen, wo wir in Sachen Nachhaltigkeit gestartet sind und wo wir heute stehen.“
Übertragbar weit über die Hotellerie hinaus
Der entwickelte Ansatz ist nicht branchenspezifisch. Das methodische Grundgerüst ist überall dort sinnvoll einsetzbar, wo große Mengen an Dokumenten, Berichten oder Webseiten systematisch ausgewertet werden müssen, ob für Nachhaltigkeits-Benchmarking, für die Analyse regulatorischer Anforderungen oder für die Aufbereitung umfangreicher Berichtslandschaften. Kriterien und Schwerpunkte lassen sich je nach Kontext anpassen.
Das Projekt mit Maritim zeigt dabei, dass KI im Nachhaltigkeitsmanagement vor allem dann Mehrwert schafft, wenn sie gezielt eingesetzt wird: als Werkzeug für die strukturierte Analyse großer Informationsmengen und als Hebel für mehr Effizienz und Markttransparenz. Die fachliche Perspektive bleibt dabei unverzichtbar. Henning Jünke bestätigt: „Der bloße Einsatz von KI hätte keinen besonders großen Mehrwert für uns. Aber die Kombination aus KI und der Nachhaltigkeitsexpertise der Nextra hat mich sehr beeindruckt.“ Denn erst dieses Zusammenspiel aus technologischer Unterstützung und menschlicher Bewertung sorgt dafür, dass aus Daten strategisch nutzbare Erkenntnisse werden.
Den vollständigen Sustainability x AI Talk zum Projekt finden Sie hier:
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