Transitionsplanung ist in deutschen Banken längst kein Nischenthema mehr – sie ist zur strategischen Pflichtaufgabe geworden. Eine neue empirische Studie von Nextra Consulting zeigt auf Basis von Interviews mit mehr als 20 Banken, wie weit die Umsetzung tatsächlich fortgeschritten ist, wo die entscheidenden Hebel liegen und warum Datenmangel zum systemischen Risiko wird. Für Nachhaltigkeitsverantwortliche in Banken bedeutet das: Die Zeit der konzeptionellen Debatten ist vorbei – jetzt zählt operative Verankerung.
Warum Transitionsplanung jetzt zur Pflichtdisziplin wird
Regulatorische Anforderungen – von der CSRD, CSDDD bis zu den EBA-Leitlinien zum Management von ESG Risiken und dem BRUBEG – haben Transitionsplanung auf die Agenda jeder Bank gesetzt. Doch die Studie zeigt: Der stärkste Treiber ist nicht der Regulator allein. Marktdruck, Kundenerwartungen und der Wettbewerb um nachhaltigkeitsorientierte Portfolios treiben Banken zusätzlich an. Institute, die Transitionsplanung nur als Compliance-Übung behandeln, werden den Anschluss verlieren – an Wettbewerber, an anspruchsvolle Firmenkunden und an regulatorische Erwartungen, die sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen werden.
Besonders aufschlussreich: Die Umsetzungstiefe variiert erheblich je nach Institutstyp. Große Universalbanken haben aufwändige Governance-Strukturen aufgebaut, während kleinere Sparkassen und Genossenschaftsbanken auf pragmatischere, proportionale Ansätze setzen. Eine einheitliche Best Practice gibt es nicht – was zählt, ist die Passung zum eigenen Geschäftsmodell.
Die drei Hebel wirksamer Transitionsplanung
Die Studie identifiziert drei strategische Hebel, an denen wirksame Transitionsplanung ansetzt:
- Klimaziele und Sektorpfade: Banken müssen klare, sektorspezifische Dekarbonisierungspfade definieren und diese mit ihren Kreditportfolios abgleichen. Ohne messbare Zwischenziele bleibt Transitionsplanung abstrakt.
- Kundendialog und Transitionsbegleitung: Die fortschrittlichsten Institute verstehen Transitionsplanung als Beratungsaufgabe – sie begleiten Firmenkunden aktiv bei der Entwicklung von Transitionsplänen und sehen darin eine Möglichkeit, die Kundenbeziehung zu vertiefen und neue Finanzierungsprodukte zu platzieren.
- Organisation und Governance: Transitionsplanung braucht klare interne Verantwortlichkeiten. Erfolgreiche Institute haben die Zuständigkeiten nicht allein in der Nachhaltigkeitsabteilung gebündelt, sondern ins Kredit-, Portfolio- und Kundenmanagement integriert.
Datenmangel als systemisches Hemmnis
Als übergreifende Herausforderung benennt die Studie unmissverständlich: den Mangel an belastbaren Emissionsdaten und Transitionsplänen von Gegenparteien. Banken können ihre eigenen Portfolios nur so gut steuern, wie ihre Kunden berichten – und hier klafft eine erhebliche Lücke. Viele Firmenkunden, insbesondere im Mittelstand, verfügen weder über systematisches CO₂-Accounting noch über ausformulierte Transitionsstrategien.
Erschwerend kommt hinzu: Die Omnibus-Initiative der EU-Kommission schränkt die CSRD-Berichtspflichten deutlich ein – ein Schritt, der kurzfristig Unternehmen entlastet, mittelfristig aber den Informationsfluss zu Banken reduziert. Der begleitende Gastbeitrag von Eurosif in der Studie beleuchtet diese Dynamik: Weniger Berichtspflicht bedeutet weniger Datenverfügbarkeit – und damit größere Unsicherheit in der Kreditrisikobeurteilung. Banken müssen daher eigene Datenerhebungsstrategien entwickeln, statt auf regulatorisch erzwungene Transparenz zu warten.
Handlungsempfehlungen für Verantwortliche in Banken
Die Studienergebnisse legen nahe: Banken, die Transitionsplanung jetzt strategisch verankern, verschaffen sich einen messbaren Vorsprung. Vier Handlungsfelder sind besonders dringlich:
- Sektorpfade operationalisieren: Übersetzen Sie übergeordnete Klimaziele in konkrete, portfoliorelevante Sektorpfade mit messbaren Meilensteinen für die nächsten 3–5 Jahre.
- Kundendialog strukturieren: Entwickeln Sie Gesprächsleitfäden und Bewertungsrahmen, um Transitionsplanung systematisch in den Kreditprozess und die Kundenbetreuung zu integrieren – nicht als einmalige Abfrage, sondern als kontinuierlichen Dialog.
- Governance klären: Definieren Sie eindeutige Zuständigkeiten für Transitionsplanung – nicht nur in der Nachhaltigkeitsabteilung, sondern verankert in Kredit, Risiko und Vertrieb.
- Datenstrategie aufbauen: Warten Sie nicht auf regulatorisch erzwungene Kundendaten. Entwickeln Sie eigene Methoden zur Schätzung und Erhebung von Emissionsdaten für Ihr Kreditportfolio.
- Proportionalität nutzen: Kleinere Institute müssen keine komplexen Großbanken-Systeme kopieren. Pragmatische, skalierbare Ansätze, die zum eigenen Geschäftsmodell passen, sind oft wirksamer.
Transitionsplanung ist kein Projekt mit Abschlussdatum – sie ist eine dauerhafte Managementaufgabe, die sich mit regulatorischen Erwartungen, Marktbedingungen und Kundenrealitäten kontinuierlich weiterentwickelt. Die Nextra-Studie macht deutlich: Banken, die jetzt in robuste Prozesse, klare Verantwortlichkeiten und belastbare Datenbasis investieren, werden diese Aufgabe nicht nur effizienter bewältigen – sie werden sie als strategischen Wettbewerbsvorteil nutzen können. Der Transformationsdruck im Bankensektor wird nicht nachlassen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie gut Ihr Institut darauf vorbereitet ist.
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